Georg Apfel

 

Am Anfang war das Chaos.

Das Chaos , das nach Form sich sehnte.
Das Chaos, das  nach Form schrie.
Das Chaos, das der Form bedurfte, weil anders es nicht sein konnte.
Denn  das Chaos muss Form werden, um zu sein.
Sein ist Werden. Was nicht wird,  ist nicht.
Werden aber heißt: sich verändern, eine neue Form annehmen.
Was sich nicht verändert, existiert nicht. Zwangsläufig.
Das Seiende ist das Werdende,  ist das sich Verändernde. Zwangsläufig.
Das sich nicht Verändernde, das nicht Werdende, ist nicht, hat kein Sein, ist das Nichts.
Alles, was ist, verändert sich, wird zu etwas Anderem, wird zu etwas Neuem.
Alles, was ist, muss sich dauernd verändern, muss dauernd zu etwas Anderem, zu etwas Neuem werden.
Nur das Nichts ändert sich nicht, weil es nicht ist.
Das Chaos ist nicht Nichts, das Chaos ist Sein. Ungeformtes Sein, das im Begriff ist sich zu formen. Es muss sich formen um zu sein.
Das  Sein  ändert sich. Das ist sein Wesen.
Das Chaos als Sein wird notgedrungen Form.
Dauernd.
Der Prozess der Formwerdung  aber ist die Chaotik.
Die Chaotik hat keinen Inhalt, sie ist lediglich ein Modus, eine Art und Weise.

Chaotik ist die Art und Weise, wie aus dem Chaos, dem Ungestalteten, Form, Gestalt wird.
Dieser Modus ist notwendig  ein dialektischer, denn:
Form gibt es nur, weil es Ungeformtes gibt, aus dem Geformtes werden kann.
Gestaltetes gibt es nur, weil es Ungestaltetes gibt, aus dem Gestalt werden kann.
Das Eine ist nicht denkbar ohne das Andere.

Chaotik als Modus des Werdens  zeigt den Augenblick der Formwerdung.
Chaotik zeigt, wie das Ungestaltete Gestalt wird.
Chaotik lässt das Werden erleben.
Chaotik lässt das Vergehen erleben.
Chaotik lässt Werden und Vergehen, Geburt und Tod, die Voraussetzungen für das Leben, die Lebensquellen nachvollziehen.
Chaotik vergegenwärtigt die Dialektik des Lebensganzen, der Totalität des Lebens.

Chaotik vergegenwärtigt die Totalität des Seins und alle  ihre Potentialitäten.
Chaotik ist die Sichtbarmachung des Panvitalismus: Alles lebt, denn alles wird und vergeht und entsteht und vergeht und so fort.
Ein sinnloser Kreislauf? .
Nein.
Kein Kreislauf, schon gar kein sinnloser.
Nur das Nichts ist sinnlos. Das Sein ist Sinn an sich.
Auf seinem dialektischen Weg von Vergehen und Werden jedoch wird es zunehmend reicher, komplexer, vollkommener. Immerzu.

Die vergehende, also die sich verändernde Seinsform wird aufgehoben, gerettet in der neu entstehenden. Immerfort.

Die Aufgabe des Künstlers bestünde dann in nichts anderem als der Sichtbarmachung des Lebens, der Totalität des Lebens, der Schönheit des Lebens im Modus der Chaotik.
Seine Hilfsmittel zur Bewältigung dieser Aufgabe:

Die Linie.
Die Fläche.
Der Raum.
Das Licht.

 

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