Georg Apfel

 

Trotzdem kann ich Ihnen zusammenfassen, was mich bewegt hat:

Die Göttlichkeit, Raum und Zeit der Ewigkeit haben eine solche gigantische Mehrdimensionalität, dass der Mensch sich immer wieder seiner Begrenztheit bewusst wird, und das sowohl im Erfassen als auch im Abbilden derselben. Um mit dieser verwirrenden Begrenztheit auf Ausschnitte zurecht zu kommen, nennt der Mensch sie vielleicht Chaos. Um Ordnung ins Chaos zu bringen, versucht der Mensch die eine oder andere Idee begreifbar zu machen.

Die Engelsdrucke zeigen die Eindringlichkeit, mit der Sie versucht haben, die Wesen zu veranschaulichen. Die immer wieder gespürte Unzulänglichkeit der zwei Dimensionen eines Bildes haben Sie zunächst versucht durch mehrschichtigen Druck zu überwinden. Gleichzeitig haben Sie thematisch gespielt, mal mit Farben, dann mit Formen. Aber ganz gleich, welche Farben oder Formen dem einen oder anderen Betrachter gefallen, die mystischen Wesen schimmern immer wieder durch.

Dann haben Sie näher am Thema Leben gearbeitet, das Leben quasi in einen Würfel verpackt, dabei gezielt eine Lebenslinie, einen schwarzen Faden angelegt und verfolgt, als ob Sie fragen möchten " und wie geht es jetzt weiter?". Sie haben Würfel, verschiedenen Leben?, ineinander geschachtelt, aber bald haben sich die Würfel geöffnet, von der Außenbegrenztheit befreit. Der rote Faden im Leben ist jetzt unterbrochen, scheinbar im Chaos der Lebensereignisse verloren. Dennoch tritt er immer wieder zutage, mit immer anderer Blickrichtung. Der Betrachter muss selber studieren, welche Zusammenhänge sich durch die Perspektiven ergeben, so wie er letztendlich selber die Perspektiven seines Lebens ordnen muss.

Welches Konzept steht dahinter? Das eines ganz persönlichen Lebens, das gelebt wird und sich seit Jahren befasst mit Gott - Göttlichem - Mensch - Leben - Liebe - Verlust - Wege - Zweifel - Glück.  Immer wieder führt der Weg zurück zum Anfang, wo das Chaos im Göttlichen seine Ordnung findet.

Zum Begriff Chaotik:
Ich sehe in ihm eine Systematik - quasi das Prinzip Chaos. Dies lässt im ersten Moment vermuten, dass sich hier ein negatives Verständnis hereinschleicht, das in die Richtung der Zerstörung von Ordnung weist. Allerdings kann ich mir etwas anderes vorstellen: Wenn nämlich Chaos als Kehrseite der Ordnung verstanden wird,  besitzt das Chaos vielleicht genauso viel Ordnung, wie in der Ordnung Chaos liegen kann. Aus diesem Grund gefällt mir die Wortprägung Chaotik sehr gut.

Ich habe dazu noch eine weitere Assoziation:
Jeder Mensch möchte in seinem Leben Ordnung, sich zugeordnet fühlen, sich einordnen, bei Krankheit eine Verordnung. So macht er sich zu einem Teil einer Ordnung, z. B. der Gesellschaftsordnung. Denn darin findet er einen Rahmen für seine Identität.
Das Chaos im herkömmlichen, negativen Sinn erlaubt keine Identifikation, es ist wie eine Entfremdung von der Ordnung, ein Zurückgestoßen werden, ein Zustand der Unerträglichkeit für den Menschen.
Die Chaotik jedoch geht einen anderen Weg, einen Weg der Milde; sie weist über den menschlichen Rahmen hinaus in eine Ordnung, die größer/ höher/ abstrakter ist als der Mensch. Dennoch bleibt sie wegweisend, auch in ihrer undurchschaubaren Art. Denken Sie dazu an Ihre aufgelösten Linien in den Würfeln!

Was der andere Text schreibt, von der Dunkelheit und dem Licht, geht nach meiner Meinung in eine ähnliche Richtung, nur wird hier die negative Seite des Chaos als Dunkelheit bezeichnet und überbewertet, vielleicht aus persönlichen Gründen als deprimierend empfunden, das Licht, das Positive/ die göttliche Seite fast verzweifelt gesucht und gerade noch so wahr genommen als Punkt. Doch dieser könnte anschwellen zu gleißendem Strahlen. Dies wäre ein Aspekt der Zeit, der vierten Dimension. Hier sind wir wieder bei den Dimensionen, mit denen Sie sich beschäftigt haben.

Frage: Kommt es bei den Empfindungen darauf an, wie wir der Göttlichkeit/ dem Positiven/ dem Licht selbst gegenüberstehen?
Antwort: Jeder ist frei in seiner Sichtweise. Dennoch möchte ich hier wiederum an Ihre Engelsdrucke mit dem Yin-Yang Motiv erinnern: Hier haben Sie alle möglichen Farben gewählt, sowohl freudige als auch graue Töne/ Licht und Dunkel für alle Lebenslagen und -erfahrungen. Aber ganz unabhängig von der Farbe - Engel blieb Engel, ein Prinzip jenseits der einfachen/ vereinfachenden menschlichen Empfindungen und nur durch die Begrifflichkeit fassbar gemacht (Engel).
Das Chaos wirkt zerstörerisch, auch selbstzerstörerisch, löscht sich in seinem Sog selber aus, die Chaotik wird fassbar als Teil des abstrakten Positiven und wächst ins Unermessliche.

Was mir auch noch dazu einfällt: Was wir in unserer Einfachheit vielleicht zunächst als schlimmes Chaos erleben, erfährt als Teil der Chaotik eine unerwartete Wendung zum Guten.

 

pascom

galerie pasquay

sichtraum urmann

leubner

gregor

waas

Impressum: Manfred von Linprun, E-Mail: von-linprun(at)t-online.de
Gunzing 15, 94532 Aussernzell