Bildergarten

 

 

Nürnberg, den 9.Oktober 2013

 

Lieber Herr von Linprun!

Wie ich Ihnen gestern versprochen habe, will ich heute ein paar Anmerkungen zu Ihren neuen Arbeiten machen. Es fällt mir nicht ganz leicht zu sagen, dass sie mich trotz ihrer oft aufregenden Schönheit, Tiefe und Dynamik ein kleines bisschen enttäuscht haben. Ich muss präzisieren und korrigieren: Nicht die einzelnen Bilder, die in ihrer Gesamtheit wieder ein bezauberndes und berauschend duftendes Beet in Ihrem üppig blühenden "Bildergarten" ergeben, haben mich enttäuscht, im Gegenteil, sie sind schön, wunderschön, und verlocken zum ausdauernden Verweilen, Betrachten, Meditieren. Was mich entäuscht, wobei der Begriff nicht ganz passt, besser vielleicht: was mich überrascht, ist die Tatsache, dass Sie mit den "Zeichen", soweit ich das sehe, in Technik und Machart an frühere Serien anknüpfen und diese verlängern, nur mit einer anderen Grundstruktur, die ich für ganz wunderbar und vielseitig nutzbar halte. Kurz: Es hat mir beim Betrachten das Überraschungsmoment des aufregend Neuen, bislang Ungesehenen gefehlt. Das finde ich zum Beispiel in den beiden Lichtreliefabbildungen, die Sie mir im Anhang zu Ihrer Antwort auf den Rumi-Text geschickt haben und die ich gerade mit den neuen Arbeiten der "Zeichen"-Serie verglichen habe.  Diese beiden Abbildungen lassen mich, wie übrigens auch etliche Bilder aus der Reihe "Variationen für ein Lichtrelief", geradezu und immer wieder erschrecken wegen ihrer ganz neuen, bislang von mir so noch nie gesehenen 
Bildlichkeit und Farbigkeit. Ihre Körperlichkeit, massiv oft, und dann wieder zart umspielt, ihre Glätte, Direktheit, pralle Plastizität bilden im Zusammenspiel ein unglaublich dynamisches Figurengebilde, das mich als Betrachter befremdet, in den Bann zieht, gleichzeitig anzieht und abstößt, beruhigt und im selben Augenblick aufs Äußerste, und das betone ich besonders, beunruhigt und ängstigt. Halte ich ihm stand, und nicht immer gelingt das, wuchern in mir tausend Empfindungen und Assoziationen der allerunterschiedlichsten Art, die vom plump Animalischen zum überfein ziselierten Hochtechnischen reichen. Sie lassen in ein Chaos blicken, das durch glatte Formen nur scheinbar gebändigt oder kaschiert wird, in Wirklichkeit aber ununterbrochen "wabert" und wirkt. Manchmal jedoch glaubt oder fürchtet man fast, das Technische habe das Chaos, die Ursuppe gewissermaßen, kaltgestellt, domestiziert, in klare und kalte Formen gegossen und eingefroren. Bei längerem Hinsehen entpuppt sich dieser Eindruck aber, gottseidank, als Irrtum, als Irreführung. Kurzum: Mit diesen Kreationen haben Sie, lieber Herr von Linprun, einen ganz neuen, ganz aufregenden Weg beschritten, auf welchem auch immer wieder an die  wunderbaren Bildfindungen der monatlich erscheinenden Serie "Neues zur Chaotik" erinnert wird. Sie sehen schon, Herr von Linprun, an meiner Begeisterung, wie sehr mich Ihre Variationen für ein Lichtrelief beeindrucken. Jetzt können Sie vielleicht auch meine "Enttäuschung" über die "Zeichen" einordnen und sind mir nicht gram wegen der Verwendung des Begriffs.

Ganz liebe und herzliche Grüße
Ihr Georg Apfel

 

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